Unsichtbare Facetten? – Fachtagung zum Mosaik der Gesundheitsversorgung lesbischer, bisexueller und queerer Frauen*

Fachtagung | Donnerstag, 18.10.2018, 10-16:45 Uhr | Akademie des Sports, Hannover

Eine Veranstaltung des Netzwerks „Frauen, Mädchen und Gesundheit Niedersachsen“ in Kooperation mit MOSAIK Gesundheit.

Zielgruppe
Die Fachtagung richtet sich an Fachkräfte aus Medizin, Pädagogik, Beratung, Therapie, Sozialer Arbeit etc. sowie an Interessierte aus der Community.
Programm

9.30 Uhr Anmeldung

10:00 – Begrüßung
Edith Ahmann (FMGZ Region Hannover)


10:15 – Vortrag: Gesundheitsförderung für lesbische, bisexuelle und queere Frauen* | Was sind Bedarfe und Prioritäten?
Prof. Dr. Gabriele Dennert, Professorin für Sozialmedizin und Public Health, FH Dortmund 

Diskriminierungen, geringerer Zugang zu gesellschaftlichen Ressourcen – von Geld bis Anerkennung – und eine strukturell sexistisch und heteronormativ ausgerichtete Gesellschaft beeinträchtigen die Gesundheit nicht-heterosexuell lebender Frauen*. International werden nicht-heterosexuelle und nicht-genderbinär lebende Frauen als Gruppe mit spezifischem Versorgungsbedarf deshalb in der Gesundheitsforschung bereits berücksichtigt. Die Studie Queergesund* hat nun für Deutschland erarbeitet, welche Bedarfe und Prioritäten zur Gesundheitsförderung für lesbische, bisexuelle und queere Frauen* bestehen und welche Ressourcen und Stärken ihnen zur Verfügung stehen, Gesellschaft, Institutionen und Zusammenleben positiv zu verändern.

11:30 – Gesundheit lesbischer, bisexueller und queerer Frauen* im Alter
Kurzvorstellung der Literaturstudie

tba


12:00 – Vortrag: Gesundheitliche Situation lesbischer Frauen* mit Behinderung | Gehen, Rollen, Tasten, Sprechen, Gebärden, anders Denken und Frauen* lieben…

Dr. Gesa C. Teichert, Zentrale Gleichstellungsbeauftragte, HAWK Hildesheim

Lesbische Frauen* mit Behinderung sind immer die Anderen, sie passen (fast) nie in die Orte an denen sie sich bewegen. Gerade wenn es um die Perspektive Gesundheit geht und nicht nur um die Perspektive Krankheit finden Frauen*, die Frauen* lieben und mit einer Beeinträchtigung leben, kaum Orte und Menschen, die sie mit all ihren Facetten wilkommen heißen, respektvoll begegnen und in ihrer Gesundheit unterstützen. Was wünschen und brauchen lesbische Frauen* mit Behinderung, damit sie gesund leben und lieben können, was ist notwendig, damit sie mit Ihrer Beeinträchtigung gut versorgt sind und was benötigen sie Krankheitsfall? Was müssen Ärzt_innen, Gesundheitssystem und peer Communitys lernen und annehmen, damit FrauenLesben* mit Behinderung gute Orte und Bedingungen für ihr Gesundsein vorfinden.


13:00 – Mittagspause | Das Catering-Team des Haus des Sports sorgt für das leibliche Wohl; auch vegan/vegetarisch.


14:00 – Vertiefung und Workshops (parallel – bitte bei der Anmeldung auswählen)

Workshop 1: Offener Austausch in Anlehnung an die Vorträge

Dr. Angelika Voß (FMGZ Region Hannover)

Workshop 2: „Von der Theorie zur Praxis“ Gesundheitsangebote für die Arbeit mit lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen*

Edith Ahmann (FMGZ Region Hannover) und Jessica Lach (MOSAIK Gesundheit)

Besondere gesundheitliche Bedarfe von lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen* zeigen sich u.a. in den Bereichen sexuelle Gesundheit, Gewalt in Beziehungen, Leben im Alter, Diskriminierung im Gesundheitssystem und in der Familiengründung.

Wie lassen sich diese Bedarfe in Gesundheitsangebote für Frauen* umsetzen? Was sind mögliche Formate?

Anhand der Themen sexuelle Gesundheit und Diskriminierung im Gesundheitssystem stellen wir vor, wie wir im Rahmen unserer Arbeit Frauen* sensibilisieren und beraten. Gemeinsam mit Teilnehmenden des Workshops sollen Themen und Handlungsstrategien für die eigene berufliche Praxis erarbeitet werden.

Workshop 3: Umgang mit trans*Frauen in der Krankenpflege

Ilka Weiß, Kreiskrankenhaus Osterholz

In der Pflege hat sich trotz aller Veränderungen in der Gesellschaft immer noch kein unvoreingenommener Umgang mit Geschlecht und Sexualität entwickelt. Trotz eines hohen Anspruchs an eine „ganzheitliche Versorgung“ der Patient_innen, ist nicht klar, was das an sich beinhaltet.

Einen Ansatz zum Umgang mit Trans* in der ambulanten oder klinischen Versorgung, zur Lebenssituation oder zu Transitionsphasen fehlen vollständig. Pflegende lernen während ihrer Ausbildung entweder nichts zu diesem Thema oder sind nur am Rande davon berührt. Dementsprechend stellt sich die Situation von Trans* dar, die einer ambulanten oder stationären Behandlung bedürfen. Neben den elektiven Eingriffen ist hier die Notfallversorgung von besonderer Bedeutung und muss dringend in den Fokus der Pflege (und der Medizin) gerückt werden, weil immer mehr Trans* frei leben werden, seitdem das Bundesverfassungsgericht 2011 das biologische Geschlecht vom juristischen getrennt hat.

In diesem Beitrag wird anhand von eigenen und fremden Erleben die Situation von Trans* bei der geplanten und Notfallbehandlung dargestellt und auf den dringend notwendigen Reformbedarf in der Ausbildung, als auch in der Fortbildung von Pflegekräften hingewiesen.

Workshop 4: „Mehrfachbelastungen bei lesbischen, bisexuellen und queeren Frauen*: Psychische Gesundheit im Kontext Migration und Flucht – inwieweit spielt der kulturelle und religiöse Kontext eine Rolle?“

J.H., Transaidency e.V.

Lesbische, bisexuelle und queere Frauen* mit Migrationshintergrund unterstehen in der Regel einer enormen psychischen Belastung und gesellschaftlichem Druck insbesondere, wenn sie sich aus unterschiedlichsten Gründen nicht outen möchten oder können. Die Mehrfachbelastung spiegelt sich in labilen Beziehungen wieder, depressive Episoden sind keine Seltenheit, in den äußersten Fällen ist eine Scheinpartnerschaft mit einem Mann notwendig. Sie nehmen viel in Kauf, um die „Familienehre“ zu schützen. Flucht aus dem Elternhaus, ein Doppelleben ist keine Seltenheit und beeinflusst den Alltag. Wir möchten mit dem Workshop Fälle aus der Praxis durchgehen und Sie mit den Ergebnissen aus der Studie „gut integriert oder doppelt diskriminiert“ und der aktuellen Studie „queergesund“ vergleichen.


15:30 – Kaffeepause


15:45 – Durch die Brille der Politik betrachtet… | Impuls
Dr. Carola Reimann, Gesundheits- und Sozialministerin in Niedersachsen

16:00 – Podiumsdiskussion „Lernende Organisation | Wege zu einer queerfreundlichen Institution“
Dr. Reimann, Prof. Dr. Dennert, Ilka Weiß, Dr. Gesa C. Teichert und Wencke Breyer


16:45 – Verabschiedung


Moderation: Friederike Wenner (QNN)

Die Referierenden

Prof. Dr. Gabriele Dennert ist promovierte Ärztin und Gesundheitswissenschaftlerin (M. sc. Public Health) und hat an der FH Dortmund die Professur für Sozialmedizin und Public Health mit Schwerpunkt Geschlecht und Diversität inne. Sie forscht und arbeitet seit zwanzig Jahren in den Bereichen Lesbengesundheit und Gesundheit von LSBTI. Die aktuellen Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen Evidenzbasierung in der Medizin und Gesundheitsförderung durch Antidiskriminierung. Gabriele Dennert ist Mitbegründerin und Mitglied der Koordinierungsgruppe des „Netzwerk* Sexuelle und geschlechtliche Diversität in Gesundheitsforschung und -versorgung“.

Dr. Gesa C. Teichert wurde 1975 in Kiel geboren und fühlt sich bis heute dem Meer sehr verbunden. Nach dem Abitur in Celle studierte und promovierte sie Kulturwissenschaften, Geschichte und Erziehungswissenschaften in Marburg. Dort traf sie auf die Liebe ihres Lebens, seit dem liebt und lebt sie lesbisch. Aufgrund einer chronischen Erkrankung ist seit mehr als zwei Jahrzenten vor allem im Rollstuhl unterwegs und lebt mit chronischen Schmerzen. Seit Mitte der 1990er Jahren engagiert sich Gesa C. Teichert für FrauenLesben* mit Behinderung und seit einigen Jahren befasst sie sich auch wissenschaftlich mit Fragen der Intersektionalität im Feld von geschlechtlicher Identität und Behinderung. Seit 2015 ist sie Gleichstellungsbeauftragte an der HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim, Holzminden, Göttingen.

Edith Ahmann (*1961) ist seit 2012 Geschäftsführerin des Frauen- und Mädchen GesundheitsZentrums Region Hannover e.V.. Sie ist ausgebildete trans* Beraterin, Heilpraktikerin, Gesprächstherapeutin und Traumatherapeutin. Darüber hinaus ist sie im Vorstand des Bundesverbandes der Frauen- und Mädchen GesundheitsZentren und arbeitete mehrere Jahre im queeren Zentrum Hannover „andersr(a)um“.

Jessica Lach (*1988) ist Landeskoordinatorin von „MOSAIK Gesundheit – ein Projekt für lesbische, bisexuelle und queere Frauen* in Niedersachsen“, ein Projekt des Queeren Netzwerks Niedersachsen e.V.. Sie studierte Soziale Arbeit (B.A., HAWK Hildesheim), Gender Studies (M.A., Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), und ist Mediatorin, Gender-Trainerin und Anti-Bias Trainerin. Sie arbeitete mehrere Jahre in der Sozialen Arbeit mit Langzeitarbeitslosen, Wohnungs- und Obdachlosen, Suchtmittelabhängigen und Jugendlichen.

Ilka Weiß (*1963), studierte nach dem Abitur zunächst Jura und Psychologie, entschloss sich dann aber eine Ausbildung zur Krankenschwester zu absolvieren, die sie 1989 erfolgreich abschloss. Danach war sie in verschiedenen Funktionen im Pflegedienst tätig. Unter anderem als stellvertretende Stationsleitung und Praxisanleiterin. 1998 wechselte sie in die Gesundheitsschule des Kreiskrankenhauses Osterholz und wurde dort als Fortbildungsbeauftragte und Lehrende für Pflege tätig. 2013 entschloss sie sich zusammen mit ihrer Frau und ihren zwei Söhnen, sich offen dazu zu bekennen eine Frau zu sein und die angleichende Therapie zu beginnen. Im Juli 2014 erhielt sie durch Beschluss des Amtsgerichts Celle neue Vornamen und den weiblichen Personenstand. 2016 gründete sie die Selbsthilfegruppe Trans*NET OHZ und wurde auch Leiterin der Selbsthilfegruppe Transsexuelle Menschen in Bremen. Von 2016-2018 war sie im Vorstand des LtSN e.V. i.G. und des QNN e.V. Im Jahr 2017 wurde Trans*NET OHZ als vorbildliches Projekt vom Bündnis für Demokratie und Toleranz (BfDT) im Rahmen des Wettbewerbs Aktiv für Demokratie und Toleranz ausgezeichnet und mit einem Preisgeld von Euro 1000,00 bedacht.

J.H. wurde 1983 in Tyros (Libanon) geboren. Als Sechsjährige kam sie nach Deutschland. Seit dem Jahr 2011 hat sie die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie ist privat und beruflich eng mit Moabit verbunden. Als Jugendliche war sie an der Gründung des Mädchen-Kultur-Treffs „Dünja“ beteiligt, in dem sie später auch mehrere Jahre arbeitete. Sie war die ehrenamtliche Koordinatorin für die medizinische Erstversorgung von „Moabit hilft“. Darüber hinaus hat sie die spendenfinanzierte Sommerakademie (Sprach- und Integrationskurs) für homosexuelle und transidente Geflüchtete ins Leben gerufen und mit Freund*innen den Verein „Transaidency“ gegründet. J.H. ist Sozialmangerin und Diversity-Trainerin und bekam für ihr hervorragendes Engagement u.a. für Geflüchtete den Verdienstorden des Landes Berlin.

Wencke Breyer Programmreferentin für das Förderprogramm Generation³ im Landesjugendring Niedersachsen e.V. (ljr). Sie ist darüber hinaus Ansprechpartnerin für die AG Gender und das Thema sexuelle Vielfalt im ljr. So hat Wencke Breyer auch die jüngst vorgestellte Studie „Jung, LSBTIQ* und die Jugendarbeit in Niedersachsen” begleitet

Dr. rer. biol. hum. Angelika Voß, studierte in Dortmund Diplom-Pädagogik/ Erwachsenenbildung mit den Schwerpunkten Psychologie und Frauen-/Geschlechterforschung. Danach war sie als Dozentin und Wissenschaftlerin in den Bereichen Frauen- und Geschlechterforschung sowie Gesundheitswissenschaften tätig und absolvierte Fortbildungen zu Geschechterforschung und Gesundheitswissenschaften an verschiedenen Universitäten. 2005 promovierte sie an der Medizinischen Hochschule Hannover mit Schwerpunkt Gender Studies. Sie war Mitinitiatorin der Etablierung von Geschlecht in die Medizin/medizinische Ausbildung auf europäischer Ebene, wobei ihr das Verständnis von Geschlecht als Diversityansatz besonders wichtig ist. Seit 2014 ist sie im Vorstand des FMGZ der Region Hannover

Friederike Wenner, Co-Geschäftsführende im QNN | Queeres Netzwerk Niedersachsen e.V. – Trägerverein von MOSAIK Gesundheit und Koordinierungsstelle für die Kampagne „Für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt* in Niederachsen“.

 

Ort

Akademie des Sports, Standort Hannover

Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg 10

30169 Hannover

 

Sie gelangen zur Akademie des Sports in Hannover

…mit der Bahn: vom Kröpcke oder Hauptbahnhof aus mit den U-Bahnlinien 3 und 7 Richtung Wettbergen bis Station: Stadionbrücke, ca. 4 min. Fußweg in Richtung HDI-Arena zum LandesSportBund.

…mit dem Bus: vom Kröpcke/Opernplatz aus mit der Buslinie 100 direkt bis zur Akademie (Station: Luise Finke Weg). Rückfahrt: Linie 200

…mit dem PKW: von allen BAB-Abfahrten Hannover in Richtung Stadtzentrum fahren. In Zentrumsnähe bitte den weißen Hinweisschildern HDI-Arena, Sporthalle/park folgen.

Anmeldung ...

Anmeldung auf der Seite unseres Kooperationspartners: www.gesundheit-nds.de

Bitte beachten Sie die 50€ Teilnahmegebühr!

Flyer